Techno, um das Leben zu verarbeiten – die neue EP von Neal White


overcute

Vor mehr als 23 Jahren besuchte Neal White seine ersten Raves. Kurze Zeit später spielte der gebürtige Hamburger selbst an den Orten, an den er gefeiert hatte. 1998 erklärte er die deutsche Hauptstadt zu seiner neuer Homebase und begann zu einer Zeit zu produzieren, als es noch keine „klicki klicki bunti bunti“-Programme à la Ableton gab. Ein Akai MPC Drumcomputer, zwei Synthesizer und ein Mischpult waren das Arbeitsgerät, mit dem er seine beiden ersten Tracks – „Recallibrated“ und „Spielzeughaus“ – produzierte. Nun, im Jahr 2015, hat sich fast alles verändert. Doch eins ist geblieben: White kreiert noch immer Musik. Bester Beweise dafür ist seine neueste Veröffentlichung – die „Overcute“ EP. Dabei trifft gut produzierter Techno auf ein gewisses Disco-Feeling. Mit den Stücken will er seine Hörer mit, um durch verschiedene Zustände des Geistes, der Stimmung und Bewegung zu erforschen. Wir sprachen mit dem Norddeutschen Produzenten über die vier Werke, die am 13. November 2015 via LikeBirdz Records erscheinen.

trndmsk: Neal, erzähl uns von Deiner neuen EP und die Idee dahinter.

Neal White: Eine spezielle Idee für die EP gab es nicht. Ich hatte mit den anderen Jungs vom Label die besten und zu dem Label passenden Tracks ausgesucht.

Und wo hast Du Dir den Input für die vier Stücke geholt?

Da ich mir vor dem Musizieren keine Gedanken darüber mache, was für ein Track ich produzieren will, spiegelt der Track immer einen Teil meiner momentanen Stimmung und Situation wieder. Techno ist einer meiner Wege, mein Leben zu verarbeiten, auszudrücken und zu feiern. Somit ist wohl mein Leben, und das meines Umfeldes, an sich die Inspiration. 

Was diese EP aber stark beeinflusst haben wird, war die Zeit im Universum Altona – ein kleiner, 250 Menschen fassender illegaler Afterhour-Club in Hamburg. Das war so was wie mein zweites Zuhause. Ich habe dort fast jeden Monat einmal live gespielt – völlig frei von kommerziellen Zwängen. Gerade diese Tracks haben ziemlich gut zu der verpeilten Meute dort gepasst. 

Wie und wo sind die Werke entstanden?

Die EP ist – wie alle Veröffentlichungen der letzten Jahre – in meinem kleinen, heiß geliebten Wohnzimmerstudio entstanden. Zum Einsatz kamen in erster Line meine 15 bis 25 Jahre alten Synthesizer von Waldorf, die dann durch eine analoge Kette (TLAudio EQ mit Röhre und einen Distressor Kompressor) in den Rechner wandern. Für die, die es interessiert, eine Liste der benutzten Technik:

– Synthesizer: Waldorf Micro Wave 1 und 2 (XT), Waldorf Pulse und Rack Attack, Moog Slim Phatty, MBase 11 von Jomox,
– Recording: Empirical Labs Distressor, TLAudio Fat Track, SND FB14, Fireface 400,
– Rechner und Software: MacBook von 2009, Abelton 8, SSL Mini Duende, Altiverb 7.

Die EP wird am 13. November bei LikeBirdz erscheinen. Wieso da?

Ich hatte die beiden Jungs vom PunktPunkt-DJ-Team ganz klassisch bei einem Gig kennengelernt. Mir waren die beiden sehr sympathisch, ich ihnen anscheinend auch, da sich daraus Freundschaften entwickelten. Als das LikeBirdz Label umstrukturiert wurde, bin ich dazu gestoßen und selber ein Teil des Labels geworden.

Was steht nach der Veröffentlichung bei Dir an? Arbeitest Du bereits an weiteren Projekten?

Ja, klar! Als nächstes erscheinen die Remixe der LikeBirdz-Compilation. Dort habe ich einen Remix mit Metatext gemacht, den anderen mit meinem recht neuen Projekt Spleenig. Spleenig ist als Projekt für verspulten House mit dem alten Underground-Haudegen Wolfgang Klette entstanden. Auch hier folgt Anfang nächsten Jahres eine EP auf LikeBirdz. 

Des Weiteren mische und arrangiere ich die Stücke meines Livesets fertig, die sich auf dem Dancefloor bewiesen haben. Ist ein Haufen Arbeit, da sich ganz schön viele Tracks angesammelt haben, und ich mich bisher davor gedrückt hatte, sie fertig zu machen. Für die muss ich noch ein neues Zuhause suchen, da sie in der Regel zu hart sind, um sie auf LikeBirdz zu veröffentlichen. Und der Umzug des Studios steht zum Jahreswechsel auch an.

Tracklist:

01. Neal White – Overcute
02. Neal White – Overcute (DIF Remix)
03. Neal White – D. Reise des Eric S.
04. Neal White – Ferien
05. Neal White – Welle, Teil Oder So
06. Neal White – Welle, Teil Oder So (Jelou Remix)