Streaming sei Dank: Musikbranche mit erstem Umsatzplus seit Jahren


Die globale Musikindustrie verbucht nach fast 20 Jahren erstmals wieder steigende Erlöse – und das auch wegen Streaming. Das Geschäft mit Streamen aus dem Netz hat der gebeutelten Branche das erste deutliche Wachstum seit rund zwei Jahrzehnten beschert. Demnach stieg der globale Umsatz im vergangenen Jahr um 3,2 Prozent auf 15 Milliarden US-Dollar (rund 13 Milliarden Euro). Trotzdem ärgert sich die Musikindustrie im Jahresbericht ihres Verbandes IFPI über Gratis-Angebote wie Googles Videoplattform YouTube.

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Die Umsatzentwicklung der deutschen Musikbranche seit den 1980er Jahren

Sony-Geschäftsführer: „Streaming explodiert“

Bei den Streaming-Angeboten sprangen die Erlöse 2015 um 45,2 Prozent auf 2,9 Milliarden Dollar. „Das Geschäft mit Streaming-Diensten explodiert förmlich“, sagte Edgar Berger, Internationaler Geschäftsführer von Sony Music, am Dienstag in London. Digitale Musikangebote hätten den Handel mit Tonträgern nun klar abgehängt, so Berger weiter. Recht bekommt der Sony-Geschäftsführer durch die veröffentlichten Zahlen: So werden inzwischen 45 Prozent der Erlöse mit dem Verkauf rein digitaler Musikprodukte wie Streaming und Downloads erzielt. Der Verkauf von CDs und anderen Tonträgern – dazu gehört Vinyl – macht nur noch 39 Prozent der weltweiten Umsätze aus. Zufrieden ist die globale Musikindustrie mit der Entwicklung des Streaming-Geschäfts trotz allem nicht. Für Spannungen sorgen vor allem Plattformen wie der Video-Streaming-Dienst YouTube, bei dem Musik nach wie vor kostenlos verfügbar ist. „Es gibt ein Missverhältnis zwischen der Zahl der Nutzer von Musikangeboten und den Erlösen“, sagt IFPI-Geschäftsführerin Frances Moore. Den weltweit 900 Millionen Nutzern kostenloser Musikangebote im Internet stünden nur 634 Millionen Dollar an jährlichen Einnahmen gegenüber. Dagegen zahlten 68 Millionen Nutzer von Bezahldiensten pro Jahr rund 2 Milliarden US-Dollar für ihre Musik im Netz.

Streitthema YouTube

Anders als bei Anbietern von Streaming-Diensten wie Spotify, Apple Music, Deezer oder Napster werden die Inhalte auf YouTube auch von Nutzern hochgeladen. Der internationale Musikverband IFPI fordert deshalb Gesetzesänderungen, um YouTube und andere dazu zwingen zu können, Lizenzen zu erwerben. Zugleich platzieren Musikfirmen oft auch selbst Videos ihrer Künstler auf YouTube – um die Songs populärer zu machen, wie es heißt.

CD bleibt in Deutschland Krösus

In Deutschland ist das Verhältnis allerdings noch umgekehrt. Hier ist der Handel mit Tonträgern immer noch für 60 Prozent des Umsatzes verantwortlich, wobei die Streaming-Dienste im Kommen sind. Sie bescherten der Branche nach Angaben des Bundesverbands der Musikindustrie im vergangenen Jahr sogar ein Umsatzwachstum von 4,6 Prozent. Der IFPI kam mit einer etwas anderen Berechnungsgrundlage auf ein Plus von 3,3 Prozent.